gesaPflege ist ein Gemeinschaftsprojekt gesetzlicher Kranken- und Pflegekassen in Nordrhein-Westfalen und steht für „gesund alt werden in der stationären Pflege“. Das dreijährige Projekt zur Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen wird von Team Gesundheit, dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH und der Technischen Universität Chemnitz umgesetzt und ist Ende 2017 gestartet.

das Projekt

Mit dem Projekt gesaPflege wollen die Pflegekassen einen umfassenden und nachhaltigen Prozess zur Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen anstoßen – und zwar auf Ebene der Beschäftigten ebenso wie auf Ebene der Bewohnerinnen und Bewohner. Dabei wird sich an bereits bestehenden und erprobten Konzepten orientiert, um den teilnehmenden Einrichtungen eine bestmögliche Betreuung zu ermöglichen.

Im Projektverlauf werden die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten wie auch die Lebensbedingungen der Bewohnerinnen und Bewohner gesundheitsförderlich (um-)gestaltet, indem die bestehenden Strukturen und Prozesse zunächst analysiert werden, um sie dem Bedarf entsprechend passgenau für die Einrichtungen weiterzuentwickeln.

Die Projektpartner sind davon überzeugt, dass die besten Lösungen immer aus dem System selbst stammen. Daher wird im Projekt insbesondere auch auf die Erfahrungen der Einrichtungen zurückgegriffen. Diese sind kontinuierlich etwa in regelmäßigen Runden in Steuerungsgremien und Workshops am Projekt beteiligt. Im Laufe des Projekts wird den Einrichtungen so der Weg in eine gesündere Zukunft ermöglicht.

Damit nicht nur die Modelleinrichtungen von gesaPflege profitieren, werden am Ende des Gesamtprojekts die generierten Ergebnisse und Erkenntnisse in einen praxisorientierten Handlungsleitfaden fließen, der für alle stationären Pflegeeinrichtungen nutzbar ist. Dieser Leitfaden wird ebenfalls auf www.gesapflege.de veröffentlicht.

die Projektphasen

Akquise

Wichtig bei der Auswahl der teilnehmenden Pflegeeinrichtungen war insbesondere, dass die Einrichtungen ungefähr dem Durchschnitt der Einrichtungslandschaft entsprechen. Kriterien dafür waren etwa die Zahl der Beschäftigten sowie der Bewohnerinnen und Bewohner, die Lage (städtisch/ländlich) oder deren Trägerschaft. Aus 40 interessierten Einrichtungen wurden insgesamt acht für gesaPflege ausgewählt. Start der Zusammenarbeit war Sommer 2018.

Bedarfsanalyse

Im Rahmen von Prävention und Gesundheitsförderung ist es von besonderer Bedeutung, die einzelnen Akteure ebenso wie das „große Ganze“ zu betrachten. Aus diesem Grund berücksichtigt das Projekt Erkenntnisse zu den Verhaltensweisen der beteiligten Zielgruppen wie auch Ergebnisse zu den sie umgebenden Verhältnissen in den Pflegeeinrichtungen. Angesprochen sind dabei, wie in allen Projektphasen, sowohl die Beschäftigten als auch die Bewohnerinnen und Bewohner.

Dazu werden in den Einrichtungen Steuerungsgruppen zur Lenkung des jeweiligen Gesundheitsförderungszyklus eingerichtet. Diese setzen sich je nach Einrichtung aus unterschiedlichen Akteuren zusammen: Einrichtungsleitung, Pflegedienstleitungen, Wohnbereichsleitungen, Qualitätsmanagementbeauftragte, Beschäftigte, Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Mitarbeitervertretungen etc. Wichtig ist dabei, alle Anspruchsgruppen am Prozess zu beteiligen, um sich ihre Unterstützung und ihre Mitarbeit zu sichern.

Die Steuerungsgremien kommen ein Mal pro Quartal zusammen, um sich über den Verlauf und den Fortschritt des Projekts auszutauschen und dieses weiter zu planen.

Strategieableitung

gesaPflege unterstützt die Einrichtungen dabei, auf Basis ihrer Analyseergebnisse eine Gesamtstrategie für ihr Haus zu entwickeln. In eigens initiierten Strategieworkshops, in denen alle Zielgruppen der Einrichtungen vertreten sind, werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die auf die Bedarfe der Einrichtung und die erwarteten Herausforderungen zugeschnitten sind. Hierbei werden die Ziele und Handlungsfelder für die einzelnen Anspruchsgruppen (Beschäftigte sowie Bewohnerinnen und Bewohner) definiert. Daraus resultieren die Maßnahmen in der kommenden Projektphase.

Maßnahmenplanung und -umsetzung

Ziel ist einerseits das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern, andererseits auch die Bewohnerinnen und Bewohner ressourcenstärkend anzusprechen. Dazu werden bei der Planung und der Umsetzung auch die Wünsche der Einrichtungen sowie die Machbarkeit berücksichtigt, um passgenau und realitätsnah zu intervenieren. Leitlinien dafür sind auf Bewohnerebene der „Leitfaden Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen“ sowie auf Ebene der Beschäftigten der „Leitfaden Prävention für Betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20b SGB V“ des GKV-Spitzenverbandes. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit wird dabei auf die Qualifizierung und den Kompetenzerwerb des Personals gesetzt, um das vermittelte Wissen nachhaltig in der Einrichtung zu verankern.

Zudem unterstützt gesaPflege die Einrichtungen dabei, ihre Arbeitsabläufe, Schnittstellen (intern wie extern), Lernprozesse, spezifische Aspekte ihrer Organisationskultur (z. B. Umgang mit Fehlern, Kommunikation) u. ä. weiterzuentwickeln. Dies geschieht im Zuge von längerfristiger Organisationsentwicklung, die tief in die Strukturen der Einrichtungen greift und die direkte Mitwirkung der Betroffenen umfasst. Auf diese Weise werden gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Organisation sowie die Qualität des (Arbeits-)Lebens innerhalb der Organisation verbessert.

Evaluation

Die Technische Universität Chemnitz evaluiert kontinuierlich alle umgesetzten Maßnahmen sowie das Projekt selbst. Dies dient dazu, Erfolge aufzuzeigen und fortlaufend Verbesserungen in das Projekt zu implementieren.

Die Ergebnisevaluation umfasst den Veränderungsprozess in den Einrichtungen nach Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen. Hierbei wird erfasst, wie häufig und wie intensiv wirksame Maßnahmen angeboten und wahrgenommen werden. Beobachtungen und Befragungen können die quantitativen Ergebnisse durch qualitative Aspekte ergänzen. Auf diese Weise ergibt sich ein umfassendes Gesamtbild über die Wirksamkeit der Maßnahmen auf Basis von aussagekräftigen Indikatoren: auf Bewohnerebene etwa das körperliche Aktivitätsniveau, die gesundheitsbezogene Lebensqualität oder auch das Sozialverhalten, auf Ebene der Beschäftigten das Stressniveau, die Führungsqualität, die Arbeitszufriedenheit oder auch der Kommunikationsfluss innerhalb der Einrichtung.

Die Prozessevaluation dient der kontinuierlichen Verbesserung aller Aspekte des Projekts und leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Nutzbarkeit. Die Projektevaluation erfolgt am Ende des Gesamtprojekts und hat das Ziel, die Zusammenarbeit mit allen Partnern sowie die Tätigkeit selbst auf einer übergeordneten Ebene zu betrachten. Hierzu dienen neben eigens erhobenen Datenquellen auch „Lessons Learned“-Runden der Projektpartner.

Projektabschluss

Erstellung eines Handlungsleitfadens
gesaPflege soll nicht nur für die teilnehmenden Einrichtungen nutzbringend sein. Vielmehr sollen Herausforderungen und Ergebnisse einer breiteren Zielgruppe zugänglich gemacht werden. Deshalb wird zum Ende des Projekts ein praxisbezogener Handlungsleitfaden veröffentlicht, den interessierte Einrichtungen deutschlandweit nutzen können, um ein Gesundheitsmanagement im eigenen Haus anzustoßen. Hierin finden sich Best Practice-Beispiele ebenso wie Stolpersteine, auf die im Rahmen der Umsetzung zu achten ist. So können sich in Zukunft auch bisher nicht beteiligte Pflegeeinrichtungen mit einfachen Schritten für die Gesundheit ihrer Beschäftigten sowie auch der Bewohnerinnen und Bewohner einsetzen. Nach Veröffentlichung des Leitfadens ist dieser hier digital unter www.gesapflege.de zu finden.

Abschlussveranstaltung
Neben dem Handlungsleitfaden werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt. Bei der Veranstaltung werden alle Projektpartner, die teilnehmenden Pflegeeinrichtungen sowie die interessierte (Fach-)Öffentlichkeit die Gelegenheit haben, sich über die Projektergebnisse, die entwickelten Intervention für die Handlungsfelder sowie auch die Projekterfahrungen zu informieren. Daraus können sich neue Impulse für nachfolgende Projekte oder auch Kooperationen ergeben. Informationen hierzu werden ebenfalls über www.gesapflege.de veröffentlicht.

die Partner

Die Pflegekassen bzw. ihre Verbände in NRW haben die Projektgemeinschaft – bestehend aus Team Gesundheit (Projektleitung), dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH und der Technische Universität Chemnitz – beauftragt, das dreijährige Projekt zur Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen umzusetzen. Die Pflegekassen in NRW fördern das Projekt zur Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen Konzepts zur Gesundheitsförderung von Beschäftigten sowie Bewohnerinnen und Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen mit 956.000 Euro.

Die Zusammenarbeit startete im Sommer 2018 mit insgesamt acht Pflegeeinrichtungen. Aufgrund struktureller Veränderungen konnte eine der Einrichtungen das Projekt nach ca. 1,5 Jahren nicht weiter fortführen, sodass aktuell sieben Pflegeeinrichtungen am Projekt teilnehmen:

Das Projekt gesaPflege wird von einer Projektgemeinschaft umgesetzt, die ihre Expertise aus Wissenschaft und Praxis in das Projekt einfließen lässt. Auf diese Weise werden neueste Erkenntnisse mit Erfahrungswissen kombiniert und für die Pflegeeinrichtungen nutzbar gemacht. Gemeinsam adaptieren die Projektpartner bereits bewährte Konzepte aus Prävention und Gesundheitsförderung und konzipieren bei Bedarf interdisziplinär neuartige Methoden, die dann wiederum in den Einrichtungen umgesetzt werden und in den späteren Handlungsleitfaden einfließen. Folgende Projektpartner arbeiten gemeinsam für gesaPflege:

Team Gesundheit Gesellschaft für Gesundheitsmanagement mbH
Team Gesundheit übernimmt die Gesamtprojektleitung im Projekt gesaPflege und koordiniert alle Aktivitäten rund um das Projektmanagement in Zusammenarbeit mit den Pflegekassen. Zudem betreut Team Gesundheit vier der insgesamt sieben teilnehmenden Einrichtungen und arbeitet mit ihnen am individuellen Gesundheitsförderungsprozess.

Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH
Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH setzt das Projekt gesaPflege in drei der insgesamt sieben teilnehmenden Einrichtungen um. Dazu gehört die ganzheitliche Prozessberatung im Kontext der Gesundheitsförderung auf Mitarbeiter- und Bewohnerebene und die Umsetzung von gesundheitsunterstützenden Maßnahmen auf Mitarbeiterebene.

Technische Universität Chemnitz
Die Technische Universität Chemnitz ist mit ihren Lehrstühlen der Organisations- und Wirtschaftspsychologie sowie der Angewandten Gerontopsychologie am Projekt beteiligt. Für das Projekt ist eigens eine Promotionsstelle geschaffen worden, durch die die teilnehmenden Einrichtungen wissenschaftlich begleitet und bspw. die Arbeitspakete der Analyse und Evaluation umgesetzt werden.